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Gerichtsverhandlungen mit Dolmetschung: gute und schlechte Beispiele

01.04.2024

Als beim Obergericht des Kantons Zürich akkreditierte Behörden- und Gerichtsdolmetscherin für die Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch nahm unsere Geschäftsführerin, Silvia Cerrella Bauer, als Gastreferentin an der Konferenz «Fictions et réalités des auditions» (Prof. N. Capus und V. Jaquier Erard) teil, die am 17. Januar 2024 an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Neuenburg stattfand.

In ihrem Vortrag «Auditionner avec l’aide d’un-e interprète: les mauvaises et bonnes pratiques» («Gerichtsverhandlungen mit Hilfe von Dolmetscher:innen: gute und schlechte Beispiele») diskutierte sie vor einem Publikum von Anwalt:innen, Jurist:innen, Jurastudent:innen und anderen Strafrechtsexpert:innen die besonderen Schwierigkeiten und Herausforderungen der Tätigkeit als Gerichtsdolmetscher:in in der Schweiz und stellte Best Practices für jede dieser Situationen vor.

Zusammenarbeit zwischen Behörden und Gerichtsdolmetscher:innen

Aus dem Beitrag wurde ein Artikel verfasst, der die entscheidende Rolle der Gerichtsdolmetscher:innen bei der Kommunikation zwischen den Justizbehörden und den an Gerichtsverfahren beteiligten Parteien unterstreicht.

Der Artikel in französischer Sprache wurde in der Ausgabe vom 25. März 2024 von Jusletter veröffentlicht und kann auf der Website von Jusletter eingesehen werden: https://jusletter.weblaw.ch/juslissues/2024/1191/auditionner-avec-l-a_49f511ce08.html

Im Folgenden werden die Hauptthemen dieses Beitrags zusammengefasst.

Welche Überlegungen sollten Behördenvertreter:innen hinsichtlich sprachlicher Herausforderungen bei Verhandlungen mit Gerichtsdolmetscher:innen anstellen?

Sie müssen klare Erwartungen an die Dolmetscher:innen haben und sicherstellen, dass ihre Fragen klar und verständlich formuliert sind, um eine genaue Dolmetschung zu ermöglichen.

Wie können Behördenvertreter ethische Standards und Neutralität in der Zusammenarbeit mit Dolmetscher:innen wahren?

Sie müssen sicherstellen, dass sie die Neutralität des Dolmetschers respektieren und jegliche Voreingenommenheit vermeiden, indem sie sich direkt an die befragte Person wenden.

Warum ist es wichtig, dass Behördenvertreter:innen die Rolle der Dolmetscher:innen vollständig verstehen?

Sie müssen diese Rolle vollständig verstehen und deren Bedeutung für eine erfolgreiche Verhandlung anerkennen, einschliesslich der Einhaltung der Verhandlungsetikette und der Bereitstellung aller relevanten Informationen.

Welche Überlegungen sollten Behördenvertreter:innen hinsichtlich des Zeitmanagements und der kognitiven Belastung der Dolmetscher:innen anstellen?

Sie müssen sicherstellen, dass angemessene Pausen für die Dolmetscher:innen berücksichtigt sind und die Belastung für diese minimiert wird, insbesondere bei längeren Verhandlungen, um die Qualität der Dolmetschung zu gewährleisten.

Wie können Behördenvertreter:innen kulturelle Nuancen in ihrer Kommunikation berücksichtigen?

Sie sollten sensibel für kulturelle Nuancen sein und diese in ihrer Kommunikation berücksichtigen, um Missverständnisse zu minimieren.

Warum ist die Anerkennung der Dolmetscherleistungen durch Behördenvertreter:innen wichtig?

Die Anerkennung der Dolmetscherleistungen ist entscheidend, um eine effektive Zusammenarbeit zu gewährleisten, indem Behördenvertreter:innen die Arbeit der Dolmetscher wertschätzen und sie als Expert:innen auf ihrem Gebiet anerkennen.

Für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Gerichtsdolmetscher:innen und Behörden

Der Artikel betont die Bedeutung einer klaren Kommunikation, des Respekts und der Sensibilität für die Arbeit von Dolmetscher:innen sowie die Notwendigkeit einer effektiven Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten. Um diese zu verbessern, werden Empfehlungen gegeben, wie z.B.:

  • Klärung der Rolle der Dolmetscher:innen zu Beginn des Verfahrens
  • Schulung der Behördenvertreter im Umgang mit Dolmetscher:innen
  • Ausreichende Pausen und faire Entschädigung
  • Anpassung der Textmenge und des Tempos

Ausserdem werden abschliessende Überlegungen für einen Sensibilisierungsworkshop vorgestellt:

  • Praktische Übungen zu Dolmetschsituationen
  • Sensibilisierung für die Belastungen der Dolmetscher:innen
  • Bedeutung und Organisation einer professionellen Vorbereitung
  • Verständnis der Komplexität von Sprache und Dolmetschen
  • Die Rolle des Dolmetschers im juristischen Kontext und praktische Tipps für die Zusammenarbeit

Für weitere Informationen zum Thema Gerichtsdolmetschen, zum Beitrag oder generell in Bezug auf die Arbeit und Anforderungen an Gerichtsdolmetscher:innen wenden Sie sich bitte an uns.

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