Hammer und Klöppel aus Holz

Juristisches Dolmetschen bei Kreuzverhören in Schiedsverfahren: die Herausforderungen

21.03.2024

Das juristische Dolmetschen in internationalen Schiedsverfahren stellt eine besonders anspruchsvolle Aufgabe dar, insbesondere wenn es um die Dolmetschung komplexer Kreuzverhöre (Cross‑Examinations) geht. Kreuzverhöre verlangen von juristischen Dolmetscher:innen weit mehr als reine Sprachkompetenz: Sie müssen Tonfall, Nuancen, strategische Absichten und die oft hohe Dynamik der Befragung präzise erfassen und in Echtzeit übertragen.

 

Was genau ist ein Kreuzverhör?

Ein Kreuzverhör (Cross‑Examination) ist ein zentraler Abschnitt einer Beweisaufnahme, bei dem die Gegenpartei eine bereits aussagende Person intensiv befragt. Ziel des Kreuzverhörs ist es, die Glaubwürdigkeit der Aussage zu prüfen, Widersprüche aufzudecken und zusätzliche Informationen zu gewinnen, die für den Fall relevant sein können.

Kreuzverhöre folgen einer klaren strategischen Struktur und sind oft dynamisch, schnell und konfrontativ. Sie verlangen von den Beteiligten — und insbesondere von juristischen Dolmetscher:innen — höchste Präzision, da Tonfall, Nuancen, Implikationen und taktische Absichten exakt erfasst und übertragen werden müssen.

In der Schweiz treten Kreuzverhöre nicht im staatlichen Rechtssystem auf, sondern fast ausschliesslich im Rahmen internationaler Schiedsverfahren. Dadurch erfordert ihre Dolmetschung ein tiefes Verständnis der Common‑Law‑Befragungstechniken und der spezifischen Verfahrenslogik der Arbitration.

Welche Vorteile bietet ein Kreuzverhör?

  • Glaubwürdigkeitsprüfung: Durch gezielte, strategisch aufgebaute Fragen können Counsel mögliche Unstimmigkeiten oder Widersprüche in den Aussagen einer aussagenden Person aufdecken. Dies ermöglicht es, die Glaubwürdigkeit und Belastbarkeit der Aussage kritisch zu hinterfragen.
  • Entlarvung von Widersprüchen: Ein Kreuzverhör dient dazu, Inkonsistenzen zwischen der Aussage einer Person und anderen Elementen der Beweisaufnahme sichtbar zu machen. Dies kann die Position einer Partei stärken oder schwächen und ist für das Tribunal oft entscheidungsrelevant.
  • Beschaffung zusätzlicher Informationen: Durch präzise, taktisch eingesetzte Fragen können Details ans Licht kommen, die in der direkten Befragung nicht erwähnt wurden. Kreuzverhöre sind daher ein wichtiges Instrument, um neue, fallrelevante Informationen zu erschliessen.
  • Überprüfung der Konsistenz der Aussagen: Cross‑Examinations ermöglichen es, die innere Logik und Konsistenz der Aussagen zu testen. Dies betrifft nicht nur das gesprochene Wort, sondern auch Implikationen, Nuancen und nonverbale Signale, die für juristische Dolmetscher:innen besonders anspruchsvoll sind.
  • Klärung von Unklarheiten: Das Kreuzverhör bietet die Möglichkeit, vage, unpräzise oder widersprüchliche Passagen zu konkretisieren und sicherzustellen, dass das Tribunal ein vollständig klares Bild der relevanten Aspekte erhält.

Kreuzverhöre leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Wahrheitsfindung in internationalen Schiedsverfahren und ermöglichen dem Tribunal eine fundierte, faire und ausgewogene Entscheidungsgrundlage.

Ist das Kreuzverhör in der Schweiz üblich?

Kreuzverhöre sind in der Schweiz nicht Teil des staatlichen Zivilprozessrechts und daher im klassischen Gerichtsverfahren unüblich. Im schweizerischen Verfahren werden Zeug:innen traditionell im Rahmen des Präsidialverhörs durch die Verfahrensleitung befragt.

Im Gegensatz dazu folgt das Kreuzverhör der Common‑Law‑Logik, bei der die Parteien selbst die Befragung übernehmen. Diese Form der Beweisaufnahme ist in der Schweiz nur selten anzutreffen — und praktisch ausschliesslich im Kontext internationaler Schiedsverfahren.

Wann wird das Kreuzverhör in der Schweiz angewendet?

Kreuzverhöre kommen in der Schweiz vor allem in internationalen Schiedsverfahren (Arbitration) zur Anwendung. In solchen Verfahren vereinbaren die Parteien, ihre Streitigkeiten vor einem privaten Schiedsgericht (Tribunal) statt vor einem staatlichen Gericht auszutragen.

Im Rahmen dieser Verfahren sind Kreuzverhöre ein zentrales Instrument der Beweisaufnahme: Sie dienen dazu, Aussagen zu prüfen, Widersprüche aufzudecken und den Sachverhalt für das Tribunal zu präzisieren.

Damit folgt die Arbitration in der Schweiz — insbesondere unter Swiss Rules, ICC oder LCIA — weitgehend den Befragungstechniken des Common‑Law‑Raums.

Welche Herausforderungen bestehen für juristische Dolmetscher:innen bei anspruchsvollen Kreuzverhören in Schiedsverfahren?

Die Herausforderungen, denen juristische Dolmetscher:innen bei anspruchsvollen Kreuzverhören in Schiedsverfahren gegenüberstehen, sind vielfältig. Neben grundlegenden Kompetenzen wie:

  • hervorragende Beherrschung der Ausgangs‑ und Zielsprache, einschliesslich eines präzisen Fachwortschatzes und fundierter Kenntnisse der Rechtsterminologie,
  • kulturelles Einfühlungsvermögen, um feinste Nuancen, implizite Bedeutungen und kommunikative Strategien korrekt zu erfassen und zu übertragen,
  • fundierte juristische Kenntnisse der relevanten Rechtsordnungen, um komplexe Konzepte und Begriffe präzise wiederzugeben,

erfordert die Dolmetschung in Kreuzverhören zusätzliche, hochspezialisierte Fähigkeiten.

Die Fähigkeit, schnell, präzise und kontextsensibel zu dolmetschen, ist entscheidend. Juristische Dolmetscher:innen müssen nicht nur die Worte, sondern auch Absicht, Tonfall, Dynamik und strategische Bedeutung der Aussagen erfassen, um eine exakte Übertragung zu gewährleisten.

Ein Kreuzverhör verlangt zudem ein hohes Mass an Konzentration und Stressresistenz. Die Befragung ist oft schnell, konfrontativ und taktisch aufgebaut. Beim Konsekutivdolmetschen müssen Dolmetscher:innen gleichzeitig den Verlauf der Fragen und Antworten verfolgen, Informationen speichern und präzise wiedergeben — ohne Details zu verlieren.

Auch die unterschiedlichen Sprechweisen und Geschwindigkeiten der Beteiligten stellen eine Herausforderung dar: Counsel sprechen häufig schnell, komplex und strategisch, während Zeug:innen langsamer, emotionaler oder weniger strukturiert formulieren. Juristische Dolmetscher:innen müssen sich flexibel anpassen und dennoch eine klare, verständliche und vollständige Übertragung gewährleisten.

Da Kreuzverhöre im schweizerischen staatlichen Rechtssystem nicht vorgesehen sind, bereiten sich juristische Dolmetscher:innen besonders intensiv auf solche Einsätze vor. Ihre Rolle ist zentral, um die Kommunikation zwischen den Parteien sicherzustellen und zu einem fairen, effizienten und transparenten Ablauf des Schiedsverfahrens beizutragen.

Für hochprofessionelles juristisches Dolmetschen, insbesondere bei anspruchsvollen Kreuzverhören (Cross‑Examinations) in internationalen Schiedsverfahren, sind Sie bei uns in den besten Händen. Wir unterstützen seit vielen Jahren führende Schweizer Wirtschaftskanzleien, internationale Counsel‑Teams und juristische Fachabteilungen bei komplexen Verfahren.

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